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Gedanken zum Wochenende, 20.01.2018

Zeitverlust

Beim Autofahren höre ich im Radio manchmal Verkehrsdurchsagen mit den jeweiligen Staumeldungen. Seit Neuestem – oder gibt es das schon länger? ich weiß es nicht - wird auch immer genau berechnet, wie lange es braucht, bis man durch den Stau durch ist. „Der Zeitverlust beträgt 43 Minuten“, heißt es dann zum Beispiel. - Zeitverlust? Das heißt: „Ich verliere Zeit“. - Ist das tatsächlich so? Kann Zeit denn verloren gehen? Erstaunlicherweise spricht man ja davon, dass man Zeit „verlieren“ oder auch Zeit „gewinnen“ kann. Es gibt Menschen, die „schenken“ mir Zeit; andere „stehlen“ mir Zeit. Habe ich dann plötzlich mehr oder im anderen Fall weniger Lebenszeit? - Aber tickt die Uhr nicht immer gleichmäßig vor sich hin, ohne dass man Zeit wegnehmen oder dazu fügen könnte? Genau betrachtet gibt es weder Zeitverlust noch Zeitgewinn. Zeit ist eine Konstante im Leben, die für alle gleich gilt: Jede/r hat 24 Stunden pro Tag, nicht mehr und nicht weniger. Es ist nur die Frage, wie wir mit der Zeit umgehen, wofür wir sie verwenden wollen. Von verlorener oder gewonnener Zeit können wir nur dann sprechen, wenn wir diese Zeit bewusst mit einem Sinn füllen. Und dann erscheint die Zeit, die wir „Sinn-los“ verbracht haben tatsächlich als „verloren“, währenddessen die Zeit, in der wir dem beabsichtigten Sinn näher gekommen sind oder ihn erfüllt haben dann „gewonnen“ ist. Wie auch immer: Zeit ist ein Geschenk Gottes für jede/n von uns.

Ich lasse die Konfirmanden jeweils spontan mal schätzen, wie viele Tage ein Mensch wohl erlebt, wenn er 80 Jahre alt wird. „Eine halbe Million" ist oft die schnelle Antwort. Andere sagen: „Etwa 200.000“. Schließlich kommt einer drauf und sagt: „Da muss man doch einfach 80 x 365 Tage rechnen!" Alle sind erstaunt, wie klein das Ergebnis dann ist: 29.200 Tage, mehr nicht; und auch nur dann, wenn wir dieses hohe Alter überhaupt erreichen. Die Konfirmanden überlegen weiter: „Wie schnell doch so ein Tag rum ist!" und „Mit wie viel Unsinn wir unsere Zeit vertun!"…

Und da möchte ich ihnen ein gutes Wort mitgeben: „Gott schenkt dir Zeit. Die Zeit deines Lebens. Den Abend und den Morgen, den Tag und die Nacht. Den Anfang, die Mitte und das Ende. Gott schenkt dir Zeit. Du darfst sie aus Gottes Hand nehmen, du darfst sie in deine Hand nehmen. Die Zeit deines Lebens ist ein Geschenk, aber auch deine Verantwortung. Du kannst die Zeit deines Lebens füllen, du kannst sie leer lassen. Du kannst den Augenblick versäumen, du kannst den Augenblick nutzen. Gott schenkt dir Zeit, wenn er will, immer wieder einen neuen Tag." – Dazu passt ein Wort aus dem alttestamentlichen Buch Prediger (Kap. 3,1-14): Da heißt es: „Es hat alles seine Zeit und alles Vorhaben unter dem Himmel seine Stunde“.

Lesen Sie mal nach, was da alles aufgezählt wird. Da könnte man tatsächlich ins Nachdenken kommen, wie wir unsere Zeit verwenden.

Ich wünsche Ihnen an diesem Wochenende wenigstens einige Stunden ganz bewusst erlebter Zeit. – Vielleicht spüren Sie dann darin sogar einen liebevollen Gruß des Schöpfers …

Ihr Pfarrer Bernd Töpfer, Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Marktheidenfeld.

Die jeweils aktuellen Gedanken zum Wochenende können auch auf unserer Homepage: www.marktheidenfeld-evangelisch.de gelesen und heruntergeladen werden.

Die Andachten der letzten Jahre zu den verschiedensten Themen finden Sie unter „Gedanken zum Wochenende/Archiv“, - für den Fall, dass Sie selbst mal eine Andacht halten wollen…