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Gedanken zum Wochenende, 18.11.2017

Harfen in den Weiden

Erinnern Sie sich: Vor vielen Jahren hatte die Popgruppe Boney M. einen Top-Hit, der hieß: „By the rivers of Babylon“. Es war die Vertonung des 137. Psalmes aus dem Alten Testament. Da geht es darum, dass im Jahr 587 v.Chr. die Babylonier Jerusalem zerstört hatten und die Oberschicht des Volkes Israel nach Babylon deportiert war. Gefangen im fremden Land saßen die Israeliten nun an den Flüssen unter den Trauerweiden und weinten darüber, dass sie ihre Heimat und scheinbar auch ihren Gott verloren hatten. Die Babylonier spotteten und forderten ihre Kriegsgefangenen auf: „Seid doch fröhlich und singt Eure Lieder, mit denen Ihr doch sonst immer so schön Euren Gott gelobt habt!“. Den Israeliten war gar nicht zum Singen zumute: „Unsere Harfen hängten wir an die Weiden dort im Lande. Denn die uns gefangen hielten, hießen uns dort singen und in unserem Heulen fröhlich sein. – Wie könnten wir Gott ein Loblied singen im fremden Lande?!?“ (Psalm 137,2-4). Die Harfen waren nachhaltig verstummt. Doch da – so erzählt eine Legende aus dem Talmud (Überlieferung), - erklang plötzlich die Harfe an der Wand über dem Bett des mitgefangen jüdischen Königs wie von selbst, ohne dass Menschenhand sie berührte. Der Wind hatte durch das geöffnete Schlafzimmerfenster geweht und leise Töne durch die Saiten der Harfe gehaucht. Die Israeliten, vor Trauer stumm geworden, hörten genau hin. Sie verstanden es als ein Signal der Hoffnung: Ja, Gott weht ganz sanft durch den Wind (hebräisch „ruach“ = „Heiliger Geist“) eine zarte Melodie der Zukunft. Bald schon würden auch ihre Harfen neu erklingen. Bald schon würden sie wieder fröhlich ihre Gottesdienste feiern können. Bald schon würde es allen Grund geben, Gott mit lauten Liedern für die Befreiung zu loben.

Szenenwechsel: Auf einem Naturerlebnisweg im Steigerwald erlebten wir mit Konfirmanden ein Areal mit überdimensionalen Windharfen. Phantastisch: Wer hier ganz still wird erfährt, wie der Wind ohne jedes menschliche Zutun den Harfen ganz unterschiedliche sanfte Töne entlockt. Es entsteht eine sphärische Melodie. Wir Christen glauben ebenso wie die Juden damals in Babylon an die Wirkung des „ruach“, des Heiligen Geistes Gottes. Dieser Heilige Geist kann mich trösten, kann meine Erinnerung an das Erlebte in einer anderen Tonart intonieren. Der Heilige Geist kann mitten in der Bedrückung, mitten in der vermeintlichen Aussichtslosigkeit für mich eine Zukunftsmelodie erklingen lassen. Der Heilige Geist kann in mir die Gewissheit wecken, dass Gott mir doch nahe ist.

Manchmal tut es gut, wenn wir die Harfen unserer Geschäftigkeit an die Weiden hängen und stumm werden. Dann hören wir im stillen Gebet vielleicht auch den „Ruach“ Gottes, der uns eine neue Zukunft zuhaucht. Vielleicht steht Linderung, Entlastung, Befreiung kurz bevor…

Ich wünsche es Ihnen an diesem Wochenende,

Ihr Pfarrer Bernd Töpfer, Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Marktheidenfeld.

Mitte nächster Woche ist der Buß- und Bettag, ein Angebot zum Stille werden. Wir können ehrlich nachdenken über die Last, die uns auf der Seele drückt; über das, was schief gelaufen ist auf unsrem Lebensweg und in unsrer Geschichte mit Gott. Gottesdienste werden am 22. November an vielen Orten angeboten. In Marktheidenfeld um 9.30 Uhr in der Johanneskapelle im Diakonischen Seniorenzentrum Haus Lehmgruben und um 20.00 Uhr in der Friedenskirche.

Da am 22. November ja schulfrei ist, laden wir Kinder von 6 bis 11 Jahren zu einem interessanten Kinderbibeltag zum Thema: „Harfen in den Weiden“ ein. Es geht los schon um 7.45 Uhr mit einem Frühstück in unserem Gemeindehaus, Würzburger Str. 7a und dauert bis 15.00 Uhr. Zu der Geschichte von Joel in Babylon werden dann sogar Harfen gebastelt. Unkostenbeitrag incl. Frühstück und Mittagessen 5.- €. Es sind noch einige Plätze frei. Anmeldungen bitte bis Montag, 20.11.2017 im Evang. Pfarramt unter 09391/2325.

Die jeweils aktuellen Gedanken zum Wochenende können auch auf unserer Homepage: www.marktheidenfeld-evangelisch.de gelesen und heruntergeladen werden.

Die Andachten der letzten Jahre zu den verschiedensten Themen finden Sie unter „Gedanken zum Wochenende/Archiv“, - für den Fall, dass Sie selbst mal eine Andacht halten wollen…

Seite zuletzt aktualisiert am 12. Dezember 2015.