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Gedanken zum Wochenende, 16.02.2019

Florence Nightingale

Jetzt hat bei uns wieder ein neuer Jahrgang mit der Ausbildung zur Konfirmation (dann im Mai 2020) begonnen. In den ersten 10 Wochen wollen wir Grundlagen legen. So besprechen und lernen wir die „essentials“ des Glaubens. Zum Thema „Beten“ lege ich den neuen Konfirmanden jeweils eine Liste mit Behauptungen vor, in der sie dann ankreuzen müssen: „Stimmt“ oder „Stimmt nicht“. Eine These lautet zum Beispiel: „Beten heißt nur, dass ich nichts tun will“. - Will sagen: Ich delegiere eine notwendige Aufgabe an Gott: „Lieber Gott, mach du!“ - Die Konfirmanden in ihrem Tatendrang sind sich immer schnell weitgehend einig, dass das so wohl nicht stimmen kann. Doch so abwegig ist das gar nicht. Gerade in „frommen Kreisen“ wird es oft als Ideal hingestellt, Gott alles in die Hand zu geben: Neulich sprach ich mit einem Mann, der mir von seinen Problemen erzählte. Ich fragte ihn, was er dagegen tun wolle. Er antwortete: „Gar nichts. Der liebe Gott wird’s schon richten. Da verlasse ich mich ganz auf Gott“. - So ein Gottvertrauen ist zwar bewundernswert, und doch meine ich, dass wir es uns zu leicht machen, wenn wir alles Gott hin schieben.“Beten und Handeln“ ist seit jeher der Zweiklang für gelingendes Wirken. Und zwar in der Reihenfolge! Das sagt ja auch schon die Regel der Benediktiner: „Bete und arbeite“. Beides gehört zusammen.

Durch die Christusträger-Brüder in Triefenstein lernte ich ein Gebet kennen, das dies ganz wunderbar zum Ausdruck bringt: Es stammt ursprünglich von Florence Nightingale, jener englischen Krankenschwester (1820-1910), die durch ihren unermüdlichen Einsatz für die Verwundeten des Krimkrieges berühmt wurde. Sie schöpfte ihre Kraft deutlich aus ihrem christlichen Glauben, aus der Verbindung mit Gott, ihrem Schöpfer: Sie betet:

„Spender des Lebens, gib mir die Kraft, dass ich meine Arbeit mit Überlegung tue, getreu dem Ziel, das Leben jener zu hüten, die meiner Versorgung anvertraut sind. Halte rein meine Lippen von verletzenden Worten. Gib mir klare Augen, das Gute der anderen zu sehen. Gib mir sanfte Hände, ein gütiges Herz und eine geduldige Seele. Dass durch deine Gnade Schmerzen gelindert werden, kranke Körper heilen, Gemüter gestärkt werden, der Lebenswille wieder wachse. Hilf, dass ich niemandem durch Unwissenheit und Nachlässigkeit schade. Für jene, die gebeugt sind von Kummer und Weh, von Angst und Schmerz, gib Kraft zum Durchhalten. Schenk mir, o Gott, deinen Segen zu meiner Aufgabe.“ Amen.

Wenn Sie möchten, können Sie dieses Gebet in Ruhe Satz für Satz nachsprechen, und Sie werden erkennen, dass man keine Florence Nightingale sein muss, um zu erfahren, wie eine solche Haltung Beziehungen und Situationen heilen kann. Beides gehört zusammen: Zuerst das Beten um Kraft und Weisheit, dann aber auch bewusste Worte und beherzte Taten…

Ich wünsche Ihnen ein heilsames Wochenende

Ihr Pfarrer Bernd Töpfer, Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Marktheidenfeld.

Die jeweils aktuellen Gedanken zum Wochenende können auch auf unserer Homepage: www.marktheidenfeld-evangelisch.de gelesen und heruntergeladen werden.

Die Andachten der letzten Jahre zu den verschiedensten Themen finden Sie unter „Gedanken zum Wochenende/Archiv“, - für den Fall, dass Sie selbst mal eine Andacht halten wollen…