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Gedanken zum Wochenende, 15.12.2018

Innere Zerrissenheit

Vielleicht erleben Sie, liebe Leserin, lieber Leser, die Adventszeit auch in einer inneren Zerrissenheit. Zum einen wollen wir die letzten Wochen des Jahres einmal ganz gezielt etwas ruhiger halten. Endlich soll es mal gelingen, die adventlichen Tage bewusst besinnlich und mit viel Zeit füreinander, gemütlich und beschaulich zu gestalten; so wie es der Seele eben gut tut. Zum andern erleben wir gerade jetzt die größte Hektik im Jahr. In den Geschäften, Büros und Schulen läuft es auf Hochtouren. Alles muss noch dringend erledigt werden… Die Nerven liegen blank. Es entstehen Missverständnisse, Leistungsdruck, Gereiztheit, Zeitnot: Ein hochexplosives Gemisch…

Manchmal fühlen wir uns dabei ganz stark: „Das ist doch alles kein Problem.“ Manchmal fallen wir in Zweifel: „Wie soll ich das alles noch schaffen?“ Verklärte Erinnerungen von früher prallen auf die Angst vor der Zukunft. Und das im Advent! Und vielleicht mischt sich bei Ihnen in diese innere Zerrissenheit auch noch die Trauer um einen lieben Menschen oder eine verpasste Gelegenheit. Da ist Ihnen gar nicht adventlich zumute, so sehr Sie es sich auch wünschten.

Ich muss an den Apostel Paulus denken: Er lebte in Extremen: Tiefen und Höhen, Angst und Freude, Verzweiflung und Hoffnung. Todesgefahr und Begeisterung. Ich stelle mir vor, wie er gefragt wurde: „Sag mal, Paulus, wie kannst Du da trotz allem so getrost sein?“

Als Antwort schrieb Paulus in einem Brief an die Römer: Kap. 8, Verse 38-39: „Denn ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes noch eine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn.“

Ich merke: Dem Paulus war scheinbar richtig adventlich zumute. Advent heißt „Ankunft“. Paulus war überzeugt: „In Jesus ist Gottes Liebe in dieser Welt angekommen. Und diese Liebe ist mir so nahe, sie umfängt mich, hüllt mich ein, schirmt mich ab. Nichts kann mich trennen von dieser Liebe Gottes.“ Ja, der liebevolle Gott will den Menschen nahe sein, auch Ihnen, und seien Sie auch noch so unvorbereitet. Vielleicht spüren Sie es momentan nicht in so einer selbstgewissen Weise wie Paulus. Ich wünsche Ihnen aber, dass Sie dies in der Adventszeit erfahren dürfen: Es ereignet sich unerwartet: Gott kommt an. ER kommt uns Menschen in Liebe entgegen, ganz nah. Es ist Advent - und das tut gut.

In diesem Sinne, wünsche ich Ihnen noch eine gesegnete 4. Adventswoche.

Ihr Pfarrer Bernd Töpfer, Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Marktheidenfeld.

Die jeweils aktuellen Gedanken zum Wochenende können auch auf unserer Homepage: www.marktheidenfeld-evangelisch.de gelesen und heruntergeladen werden.

Die Andachten der letzten Jahre zu den verschiedensten Themen finden Sie unter „Gedanken zum Wochenende/Archiv“, - für den Fall, dass Sie selbst mal eine Andacht halten wollen…