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Gedanken zum Wochenende, 22.09.2018

Kein Bock

Zwei Ziegen gehen eines Abends in der Stadt spazieren. Vor einem Tanzlokal bleiben sie stehen. Fragt die eine: „Hast du Lust zu tanzen?“ Antwortet die andere: „Nein, ich hab keinen Bock“. – Wir lachen über diesen Witz, obwohl es eigentlich tatsächlich logischer ist, wenn eine Ziege sagt, sie hätte keinen Bock, als wenn das heute manche Jugendliche zu Beginn eines Schuljahrs tun. Für den Schulanfangsgottesdienst des Balthasar-Neumann-Gymnasiums wurde zum Thema „Kein Bock“ eine Predigt gewünscht. So habe ich mich zunächst gefragt: Woher kommt überhaupt der Ausdruck? Es gibt zwei Erklärungen: Erstens: In der „rotwelschen“ Sprache, die sich seit dem Mittelalter unter Räubern und gesellschaftlichen Randgruppen entwickelt hat, bedeutet „Bock“ so etwas wie „Hunger“. Hat jemand „keinen Bock“ auf etwas, hat er in Wirklichkeit keinen Hunger danach, - die Anstrengung lohnt sich nicht…

Die zweite Auslegung ist eine theologische: Im Alten Testament war es vor etwa 3000 Jahren religiöser Brauch, Kleinvieh, insbesondere Böcke als Brandopfer Gott darzubringen. Damals zogen ja die Menschen als Nomaden mit ihren Herden von einem Futterplatz zum anderen, und man wollte mit dem Opfer eines Bockes „Danke“ sagen für das Überleben und für das gute Gedeihen der Herde. Bald schon kam die Bedeutung des „Sündenbockes“ auf, der stellvertretend für die Menschen geopfert wurde, um Gott damit um Vergebung zu bitten, um Gnade, um seinen Segen. Und dann bildete sich mit der Zeit ein Opfer heraus, das dargebracht wurde, bevor man eine Reise unternahm oder zu neuen Orten aufbrach. Mit einem geopferten Bock wollte man Gott gnädig stimmen und ihn um Schutz und Bewahrung für den Neuaufbruch bitten. Und wenn jemand sagte: „Ich habe keinen Bock“, um Gott gnädig zu stimmen, dann war die Folge: „Es ist mir zu gefährlich, ich bleibe lieber hier in meinem gewohnten Umfeld und in Sicherheit“. - „Ich habe keinen Bock“ wurde zum Vorwand, um nicht aufbrechen zu müssen.

Und jetzt, liebe Schülerinnen und Schülerinnen, sind wir bei Abraham. Was wäre gewesen, wenn er tatsächlich gesagt hätte: „Ich habe keinen Bock, um Gott gnädig zu stimmen und um mich des Schutzes Gottes zu vergewissern“? Was wäre gewesen, wenn er nicht aufgebrochen wäre ins neue Land? Abraham hätte recht komfortabel und in Sicherheit seine Lebensjahre in der alten Heimat verlebt, doch seine Geschichte wäre damit zu Ende gewesen.

Abraham lässt sich herausrufen aus seiner Komfortzone, er wagt den Sprung ins Ungewisse. Er weiß nicht, wie alles werden wird. Aber eines weiß er: Mein Gott ist mit dabei, auf ihn kann ich mich verlassen, ihm kann ich vertrauen. Und wenn Gott mit dabei ist, dann wird es gut. Abraham macht sich auf den Weg. Er braucht gar keinen Bock mehr, um Gott gnädig zu stimmen, weil er weiß: Gott ist mir bereits gnädig, er liebt mich, er geht mit.

Wenn wir an Gott glauben und in „Neuland“ aufbrechen, dann sagt Gott auch uns zu: „Hab keine Angst, lass Dich auf etwas Neues ein, geh raus aus Deiner Komfortzone, vertrau darauf, dass ich bei Dir bin. In allem, was Du erleben wirst, begleite ich Dich, ich will Dich segnen und Du sollst ein Segen sein“. - Wenn wir heute sagen: „Ich hab keinen Bock, um ‘was Neues zu wagen“, dann sollten wir eines bedenken: Wir brauchen auch keinen Bock! Was wir brauchen ist das Vertrauen in einen Gott, der es bedingungslos gut mit uns meint, der uns liebt, der uns herausfordert und der uns zu einem guten Ziel führt. Amen

Ihr Pfarrer Bernd Töpfer, Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Marktheidenfeld.

Unsere Jugendlichen in der Gemeinde gehen neue Wege. Sie haben unter dem Namen „forgiven“ eine Band gegründet. Nach mehreren Einsätzen in Jugendgottesdiensten geben sie nun für Jung und Alt ihr erstes Konzert: Am nächsten Freitag, den 28. September um 20.00 Uhr in unserem Gemeindehaus. Dazu darf ich Sie herzlich einladen. Der Eintritt ist frei.

Die jeweils aktuellen Gedanken zum Wochenende können auch auf unserer Homepage: www.marktheidenfeld-evangelisch.de gelesen und heruntergeladen werden.

Die Andachten der letzten Jahre zu den verschiedensten Themen finden Sie unter „Gedanken zum Wochenende/Archiv“, - für den Fall, dass Sie selbst mal eine Andacht halten wollen…