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Gedanken zum Wochenende, 01.04.2017

April-Scherz

Ich erinnere mich, vor einigen Jahren wollten wir unserer damals 5jährigen kleinen Tochter erklären, was ein April-Scherz ist. 1. Versuch: „Also, am 1. April darfst du einem Menschen, den du lieb hast, etwas sagen, was gar nicht wahr ist.“ – Völliges Unverständnis des Kindes: „Wenn man jemanden lieb hat, muss man doch sagen, was stimmt!“, sagte sie. - 2. Versuch: „Ja, das ist schon richtig, aber das machen die Leute ausnahmsweise am 1. April anders: Da darf man etwas sagen, was gar nicht stimmt, und man freut sich, wenn der andere es glaubt“. – Ungläubiges Runzeln auf der Kinderstirn. „Wieso?“ - 3. Versuch: „Also zum Beispiel, ich sage: Schau, draußen auf der Terrasse steht ein Reh. Und wenn Du dann raus schaust, dann lache ich und sage April, April!“ – „Aber es stimmt doch“, triumphierte das Kind: „Da steh doch ein Re – genschirm!“ Da mischte sich die Mutter ein: „Ich kann auch behaupten: In deiner Hose ist ein Loch! Und wenn du hin schaust, dann habe ich dich in den April geschickt“. Jetzt war die Kleine vollends aus dem Häuschen, denn sie fand tatsächlich ein Loch in der Hosennaht. – Wir gaben es auf, denn den 1. April kann man scheinbar nicht erklären!

„Einem Menschen, den man lieb hat, die Unwahrheit sagen…“, eigentlich – so überlege ich mir – ist es doch kein Wunder, dass die Kleine sich daran gestoßen hat. – Es ist wohl ein untrügliches kindliches Gefühl: Gerade wenn man jemanden lieb hat, muss man doch unbedingt die Wahrheit sagen!

Im seelsorgerlichen Bereich erlebe ich häufig jedoch das Gegenteil: Menschen verschweigen voreinander etwas, drehen eine Tatsache entsprechend hin, reden etwas schön, um dem anderen ja nicht weh zu tun. Gerade Menschen, die man lieb hat, will man vor der vermeintlich schmerzenden Wahrheit verschonen. Und ungewollt spielt plötzlich eine ganzen Familie Versteck voreinander in einem Labyrinth von Lügen, Heuchelei und Heimlichtuerei. Bis jemand – vielleicht ein Kind – die Wahrheit unbefangen heraus plappert und der ganze Knoten platzt…

„Sollen wir ihm die Wahrheit über seine Krankheit sagen?“ wurde ich vor einiger Zeit im Krankenhaus gefragt. Das ist eine schwierige Entscheidung, aber ich denke, besser ist es, alles offen zu legen. Die Wahrheit, warmherzig und liebevoll vorgebracht und verbunden mit einer Zusage des Beistands, ist nicht nur fair dem Betroffenen gegenüber, sie ist auch notwendig. Denn nur auf der Basis der Offenheit und der Wahrheit lassen sich tiefe Gespräche führen, die wir Menschen brauchen, um unsere Seele zu entlasten, um Bedrückendes (gerade in einer Familie) zu klären.

Schicken Sie heute am 1. April ruhig ihre Lieben in den April, aber für die restlichen 364 Tage dieses Jahres soll gelten, was Jesus Christus im Neuen Testament in der so genannten Bergpredigt gesagt hat (Matthäusevangelium Kap. 5,37): „Eure Rede aber sei: ja, ja; nein, nein. Was darüber ist, das ist vom Übel!“.

Ich wünsche Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, ein wahrhaft wahrhaftiges Wochenende.

Ihr Pfarrer Bernd Töpfer, Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Marktheidenfeld.

Übrigens darf ich Sie für diesen Sonntag Abend, 2. April um 19.00 Uhr wieder einladen zu einem weiteren Gottesdienst aus der seit 25 Jahren bestens besuchten Reihe: „Ökumenische Gottesdienst im Kloster Triefenstein“. Zum Thema: „Zwei oder drei – vom Zusammenspiel der Gegensätze“ kommen diesmal in Musik und Text junge Leute zum Zug, die im alten Kloster ein freiwilliges soziales Jahr absolvieren. - Der Eintritt ist frei!

Die jeweils aktuellen Gedanken zum Wochenende können auch auf unserer Homepage: www.marktheidenfeld-evangelisch.de gelesen und heruntergeladen werden.

Die Andachten der letzten Jahre zu den verschiedensten Themen finden Sie unter „Gedanken zum Wochenende/Archiv“, - für den Fall, dass Sie selbst mal eine Andacht halten wollen…

Seite zuletzt aktualisiert am 12. Dezember 2015.